Es gibt Menschen, die haben für alles eine Verwendung und können auch aus Sperrmüll-Funden die dollsten Dinge zaubern. Stephan ist so einer. Unwiderstehlich. Neulich überreichte er mir freudestrahlend ein paar leicht ramponierte Birkenstock-Schuhe. „Die sind von Petra.“ Seine Ex. „Wenn man die putzt und cremt, dann sind die wieder wie neu.“ Wer putzt? „Das ist doch Deine Größe.“ Aha, ich putze.

Sie lagen ein paar Tage. Ich wollte erst nicht. Ich musste erst mal meine ganzen Prozesse durchleben. Die Abgetragenen seiner Ex und so. Dann gab ich mir einen Schubs. Und die Dinger sahen echt noch ganz gut aus. Also los.

„Mich dürstet.“ sagte der eine Birkenstock zu mir. „Ich weiß, aber erst brauchst Du ein Dampfbad und ein Peeling. Vorher geht nix.“ Ich also ran mit Wasser und Stahlbürste, alles gesäubert und schön aufgeraut. Ehemals grün, jetzt eher nebliggrau, riefen die Birkis nun nach Farbe und Fett. Ich kramte in meiner Schuhkiste: Ha, eine Tube Petrol! So muss sich ein Schatzsucher fühlen…Deckel auf und…es kam nix. Ja, ein wenig eingetrocknet, ein wenig mehr Druck und…SCHUSS! Ein Strahl petrolfarbener Schuhcreme spritzte durch meinen Flur auf Teppich (hellgrün), Jacke an der Garderobe (hellblau) und Korbstuhl (hellbeige). Ich schickte einen „liebevollen“ Gedanken an Stephan. Dann duschte ich den Korbstuhl in der Badewanne, schrubbte den Teppich mit Gallseife, und packte die Jacke in die Waschmaschine. Zuletzt legte ich die Birkenstocks in Petrol-Öl ein, woraus sie nach einigen Stunden erfrischt, geglättet und verschönt hervorgingen.

Ich leiste Abbitte, Stephan! Danke für einen „gelungenen Abend“, einen sauberen Flur und ein Paar (fast) neue Birkenstocks.

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